Bedeutung des Nachnamen Lehmann

Bekannter Namensträger: Jens Lehmann (geboren 10. November 1969 in Essen) ist ein ehemaliger deutscher Fußballtorwart. (Foto: Ronnie Macdonald)

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Nachname Lehmann steht an 33. Stelle der häufigsten Namen in Deutschland. Er ist ein Berufsname der sich von mittelhochdeutsch „lehenman“ für Lehensmann, ableitete. Die Person, die erstmals in seiner Familie mit diesen Nachnamen benannt wurde und der dann somit an jeden weiteren Nachkommen der Familie weitergereicht wurde, arbeitete als Lehensmann. 

Der Lehensmann war auch ein Standesname, der über die gesellschaftliche Stellung des Namensträgers etwas aussagt. Lehnsmänner waren zumeist Adlige, allerdings mit eher geringerem Besitz, so dass sie nach einer Möglichkeit suchten, einen (halbwegs) sicheren Lebensstand und Grunderwerb zu erlangen. Der Lehnsherr, zumeist ein anderer Adliger, aber materiell besser ausgestattet, „lieh“ (daher auch der Name „Lehns…“) dem Lehnsmann ein Stück Land, mit alles was darauf stand, Häuser, Arbeiter, Bauern.

Mit diesem Land und seinen Ressourcen ausgestattet, konnte der Lehnsmann nun frei wirtschaften und stand gleichzeitig auch in dem Schutz durch seinen Lehnherrn. Der Lehnsmann arbeitete aber eher als Verwalter seines Landes. Für den wirtschaftlichen Ertrag seines Landes arbeiteten auf seinem Land für ihn Bauern und Handwerker, die gegen eine bestimmte Leistung an den Lehnsherrn dort mehr oder weniger frei lebten.

Im Gegenzug verpflichtet sich der Lehnsmann zu regelmäßigen Leistungen an seinen Lehnsherrn. Für gewöhnliche bestanden diese Leistungen aus Geld und der Abgabe von Produkten die der Lehnsmann auf seinem Land produzieren ließ.

Die „Lehn“, also der Grund und Boden des Lehensmann, konnte diesem per Schenkung oder Erlehen vom seinem Lehensherrn übertragen werden. Bei der Schenkung, war die Lehn direkt an den Lehensherrn gebunden und nach seinem Tod, erlosch damit auch das Lehnsverhältnis. Bei der Erblehen hingegen, übertrug sich die Lehn nach dem Tod des ursprünglichen Lehensmann auf seine Nachkommen. Allerdings ließ dich bei so einem Generationenwechsel auf dem Lehen, der Lehensherr dies mit gesteigerten Abgaben durch den neuen Lehensmann an sich bezahlen.

Ein recht bildhafter und sehr interessanter Bericht über die Arbeit, das Leben und die alltäglichen Sorgen eines Lehnsherrn stammt von Ulrich von Hutten (1488–1523), der selber lange Zeit Lehnsherr war. Hier ein Auszug aus seinem Bericht, einem Brief an seinen Freund Willibald Pirckheimer:

Die Leute, von denen wir unseren Unterhalt beziehen, sind ganz arme Bauern, denen wir unsere Äcker, Weinberge, Wiesen und Felder verpachten. Der Ertrag daraus ist im Verhältnis zu den darauf verwandten Mühen sehr gering, aber man sorgt und plagt sich, dass er möglichst groß werde; denn wir müssen äußerst umsichtige Wirtschafter sein. Wir dienen dann auch einem Fürsten, von dem wir Schutz erhoffen; tue ich das nicht, so glaubt jeder, er dürfe sich alles und jedes gegen mich erlauben. Aber auch für den Fürstendiener ist diese Hoffnung Tag für Tag mit Gefahr und Furcht verbunden. Denn so wie ich nur einen Fuß aus dem Hause setze, droht Gefahr, dass ich auf Leute stoße, mit denen der Fürst Spähne und Fehden hat und die mich anfallen und gefangen wegführen. Habe ich Pech, so kann ich die Hälfte meines Vermögens als Lösegeld darangeben und so wendet sich mir der erhoffte Schutz ins Gegenteil.

Wir halten uns deshalb Pferde und kaufen uns Waffen, umgeben uns auch mit einer zahlreichen Gefolgschaft, was alles ein schweres Geld kostet. Dabei können wir dann keine zwei Äcker lang unbewaffnet gehen; wir dürfen keinen Bauernhof ohne Waffen besuchen; bei Jagd und Fischfang müssen wir eisengepanzert sein. Die Streitereien zwischen unseren und fremden Bauern hören nicht auf; kein Tag vergeht, an dem uns nicht von Zank und Hader berichtet wird, die wir dann mit größter Umsicht beizulegen suchen.

Denn wenn ich das Meine allzu hartnäckig verteidige oder auch Unrecht verfolge, so gibt es Fehden. Lasse ich aber etwas allzu geduldig hingehen oder verzichte gar auf mir Zustehendes, so gebe ich mich ungerechten Übergriffen von allen Seiten preis, da, was ich einem hingehen lasse, sofort alle als Lohn für ihre Ungerechtigkeit beanspruchen.

Gleichgültig, ob eine Burg auf einem Berg oder in der Ebene steht, so ist sie auf jeden Fall doch nicht für die Behaglichkeit, sondern zur Wehr erbaut, mit Gräben und Wall umgeben, innen von bedrückender Enge, zusammengepfercht mit Vieh- und Pferdeställen, Dunkelkammern vollgepfropft mit schweren Büchsen, Pech, Schwefel und allen übrigen Waffen und Kriegsgerät. Überall stinkt das Schießpulver, und der Duft der Hunde und ihres Unrates ist auch nicht lieblicher, wie ich meine.
Reiter kommen und gehen, darunter Räuber, Diebe und Wegelagerer, da unsere Häuser meist allem möglichen Volk offenstehen und wir den einzelnen nicht genauer kennen oder uns auch um ihn nicht sonderlich kümmern. Und welch ein Lärm! Da blöken die Schafe, brüllt das Rind, bellen die Hunde, auf dem Felde schreien die Arbeiter, die Wagen und Karren knarren, und bei uns zu Hause hört man auch die Wölfe heulen. Jeden Tag kümmert und sorgt man sich um den folgenden, immer ist man in Bewegung, immer in Unruhe.

(Quelle: Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Lehensmann)

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