Der Weg zur Zweinamigkeit im Gebiet des heutigen Europas

Wie verlief die Entwicklung hin zur Zweinamigkeit?

Die Entwicklung zur sogenannten Zweinamigkeit vollzog sich zwar durchaus flächendeckend im gesamten heutigen europäischen Raum, aber mit starken regional zeitlichen Unterschieden. Während in einigen Gebieten bereits Familiennamen nicht nur üblich, sondern sogar gesetzlich vorgeschrieben waren, lebten in anderen Gegenden Europas die Menschen noch mit einem Namen oder mit der Ergänzung eines Beinamens ("Beinamen" zählen nicht zu den Nachnamen / Familiennamen, da sie nur für einen bestimmten Menschen vergeben und nicht an dessen Nachkommen vererbt wurden.). Zusammenfassend können wir auch hier sagen, dass es in allererster Linie die Städte waren, die die Zweinamigkeit und ganz besonders die Etablierung des Familiennamens vorantrieben. In den eher ländlichen Gebieten, ließen sich die Menschen dagegen etwas mehr Zeit, für die Durchsetzung der Zweinamigkeit. In den ländlichen Gebieten trat im Gegensatz zu den viel schneller wachsenden Städten, das Problem viel weniger oder gar nicht auf, dass auf Grund zu vieler Menschen desselben Namens, eine Verwaltung nicht mehr praktisch sinnvoll durchführbar war. In den ländlichen Gebieten waren daher noch bis in siebzehnte Jahrhundert eher Beinamen als Familiennamen üblich.

Wer profitierte von der Einführung des Familiennamens?

Der Adel endeckte als erste Gesellschaftsschicht den Familiennamen als Mode für sich.Bereits für das elfte Jahrundert ist für die adligen Kreise der Bevölkerung die Zweinamigkeit belegt. Insbesondre der Adel endeckt nachweislich die Zweinamigkeit für sich als Mode. Grund dafür ist, dass sie am ehesten und stärksten zu der damaligen Zeit, von der Zweinamigkeit profitierten. Die Einführung des Familiennamens erlaubte diesen Kreisen eine Art „Auszeichnung“ bereits von Geburt an. Der Familienname eines vornehmen und vermögenden Hauses verlieh einer Person bereits Ansehen und Auszeichnung und man konnte sich in diesen Kreisen besser von einander unterscheiden. In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass 1037 Konrad II dem Adel die Erblichkeit der Lehen verbindlich zugesteht. Der Drang des Adels, sich mit seinem Land und Gut über Generationen hinweg zu identifizieren, drückt sich somit auch in den wenig später zur Mode werdenden Familiennamen und der Zweinamigkeit aus. Neben den Adligen, die den Familiennamen als erstes als Mode für sich entdeckten, profitierten Kaufleute, Handwerker und Beamte am meisten davon. Für einfache Tagelöhner, Knechte oder Leibeigene ist der Familienname erst eine sehr späte Errungenschaft. Dies ist auch ein Grund dafür, warum in den ländlichen Gebieten der Familienname sich, im Gegensatz zu den Städten, so viel später durchsetzte. Knechte und Tagelöhner standen auch viel weniger namentlich im öffentlichen Interesse, als beispielsweise Kaufleute und Handwerker, die mit zahlreichen Verträgen miteinander zutun hatten.

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