Nachnamen aus Übernamen

Einige Nachnamen / Familiennamen leiten sich in ihrer Bedeutung von einer auffälligen Eigenschaft des Namensträgers ab„Übernamen“ sind solche Namen, die etwas Charakteristisches über einen Menschen bezeichnen und die nicht zu der Gruppe der Ruf-, Herkunfts-, Wohnstätten- oder Berufsnamen gehören. Übernamen beziehen sich daher auf körperliche, geistige, charakterliche Merkmale und auf aussagekräftige Ereignisse in der Lebensgeschichte eines Menschen. Wir können 15 Gruppen unterscheiden, aus denen die heute noch bekannten Übernamen gebildet wurden:

  1. Körperliche Eigenschaften, Körperteile (Jung, Haupt)
  2. Eigenschaften des Geistes und Charakters (grimmig, froh)
  3. Tiere, Körperteile von Tieren (Stier; Pagenstert ‚Pferdeschwanz‘)
  4. Pflanzen, ihre Teile und Früchte (Pilz, Holzapfel)
  5. Gegenstände (Korb, Stock, Stiefel)
  6. Gestirne, Naturerscheinungen (Stern, Schnee)
  7. Jahres- und Tageszeiten, Monate und Wochentage, Festtage (Herbst; Hornung ‚Februar‘)
  8. Kirchliches (Weihrauch, Teufel)
  9. Geld und Geldeswert (Schilling, Pfund, Taler)
  10. Besitz (Armmann, Nothaft)
  11. Gelegentliche oder gewohnheitsmäßige Handlungen (Tanz; Quenzer ‚Kartenspieler‘)
  12. Abstammung, Verwandtschaft u. ä. (Trautvetter ‚lieber Vaterbruder‘, Stiefvater)
  13. Weltliche und geistliche Würdenträger (Fürst, Probst, Graf)
  14. Reihenfolge (Zwölfer, Erster)
  15. Vorstellungen des Volksglaubens (Neidnagel)

Wie kam ein Mensch zu seinem Übernamen?

In den Übernamen spiegeln sich zum großen Teil ästhetische und moralische Normvorstellungen wieder, die zu der Zeit der Namensbildung für die „Namensgeber“ galten. Man kann heute sagen, dass die Entwicklung unserer Nachnamen mit dem Mittelalter begann und spätestens mit der Renaissance endete – 1000 bis 1600 n. Chr. Damit sind unsere Nachnamen / Familiennamen ein Spiegel dieser Zeit. Übernamen erfüllten zu der Zeit, wo sie noch „jung“ waren, eine Art sozialer Kontrolle. Menschen die durch z.B. negativ bewertete Eigenschaften auffielen, erhielten mit ihrem Übernamen eine Art Stempel – Warnung und Kennzeichen zugleich für den Namensträger, wie auch für die Mitmenschen. Beispiele hierfür sind:

  • Hahn“ für einen arroganten und/oder streitsüchtigen Menschen
  • „Wunderlich“ für den Sonderbaren oder Launischen
  • „Klump“ für den Dicken oder grobschlächtigen Menschen

Häufig sind zwar negative Bezeichnungen, aber in fast gleichem Maße gibt es auch positive Übernamen oder zumindest neutrale wirkende. Beispiele für positive oder gar schmeichelnde Übernamen sind:

  • „Frühauf, Morgenschweiß, -roth“ für den Frühaufsteher
  • „Schöne, Schönemann, Schönherr“ für den Gutaussehenden

Beachten muss man allerdings eines: im Mittelalter hatten viele heute noch gebräuchliche Wörter eine andere Bedeutung als heute. Der Nachname „Bös(e)“ hatte zu jener Zeit als Übername die Bedeutung von „niederem Stand, schwach“. „Kluge“ konnte auch „zierlich, tapfer, listig“ bedeuten. Und der „Stark(e)“ war ursprünglich der Übername für einen „schlimmen, herrschsüchtigen“ Menschen. Zusammenfassend können wir Übernamen in die folgenden Kategorien einsortieren:

  • Körpergröße und –form
  • Körperteile und -Auffälligkeiten
  • Charakter und Verhalten
  • Essen, Trinken
  • Kleidung
  • Lebensgeschichte

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