Die Bildung von Nachnamen / Familiennamen aus Rufnamen (Patronymika)

Einige Nachnamen / Familiennamen leiten sich in ihrer Bedeutung von Rufnamen abDer Fachbegriff für Familiennamen aus Rufnamen lautet „Patronymika“ – von „Patro“ (Vater) abgeleitet. Damit ist auch gleich ein ganz wichtiges Merkmal formuliert: in der Mehrzahl gehen die europäischen Familiennamen, die aus Rufnamen entstanden, auf männliche Personen zurück. Zusammenfassend können wir sagen, dass Familiennamen die aus Rufnamen gebildet wurden, das Verhältnis einer Person zu einer anderen Person kennzeichnen. In der Tradition dieser Familiennamen sind es meist Väter auf die sie sich beziehen und weniger die Mütter. Das hat vor allem mit der untergeordneten Stellung der europäischen Frau im Mittelalter zu tun. Neben Eltern, können sich Rufnamen aber auch auf andere Personen beziehen. So gibt es historische Belege dafür, dass es teils schon genügt, wenn eine Person längere Zeit bei einer anderen Person lebte – sei es ein anderer Verwandter oder ein Lehrmeister oder eine ganze andere Person.

Auf welche Art werden Familiennamen aus Rufnamen gebildet?

Hierfür unterscheiden wir die folgenden sechs Arten:

  1. Durch die Verbindung mit Wörtern die „der Sohn / die Tochter von …“ bedeuten. Ein bis heute noch deutliches Indiz hierfür kennen wir aus den skandinavischen Ländern und Island. Familiennamen die sich hierbei auf eine männliche Person beziehen, enden mit –son oder –sen, solche die sich auf weibliche Personen beziehen enden auf –dottir. Aus dem Irischen kennen wir die Vorsilbe „Mac“ die den Bezug auf eine andere männliche Person bezeichnet. Im Irischen haben sich im Laufe der Zeit Nahmen aus dieser Kombination entwickelt, die nur noch entfernt, an diese „Verwandtschaft“ erinnern: so wurde beispielsweise aus „MacPhail“ => „Quail“.
  2. Durch Genitiv-Setzung des Rufnamens Beispiel: Aus Hans, dem Sohn von Peter wird kurzum Hans „Peters“. Im deutschen wie auch im englischen Sprachraum finden wir viele Beispiele für diese Namensveränderung. Es sind dabei immer die beiden Endungen „-s“ und „-en“ die hier Verwendung finden und den Genitiv deutlich anzeigen.
  3. Durch die Verbindung mit Präpositionen Beispiel: aus Maria, der Tochter von Francesco wird „Maria de Francesco“. „de“ ist hierbei eine Präposition, aus dem Spanischen. Das italienische Äquivalent hierzu lautet „di“, z.B. in „di Martin“; das albanische Äquivalent lautet „e“.
  4. Durch die Verwendung von Suffixen Suffixe sind in diesem Fall Endungen, die übersetzt so viel bedeuten wie „zugehörig zu“ / „Sohn/Tochter des/der …“. Besonders auffällige Beispiele kennen wir hier aus dem slawischen Sprachraum. Aus dem Tschechischen sind uns der Suffixe „-owski, -ewski, -inski“ für männliche Bezugsverhältnisse bekannt; „-owa“ kennzeichnet dagegen ein weibliches Bezugsverhältnis. Im Russischen werden dem Vaternamen die Suffixe „-owitsch, -ewitsch“ und „-itsch“ angehängt. Im Deutschen stehen hierfür stellvertretend die Suffixe „-er, ing, mann“.
  5. Durch Verkleinerungs-Suffixe Gemeint sie hiermit Suffixe, die als Koseformen für den jeweiligen Rufnamen verwendet wurden oder die dazu verwendet wurden, den Junior nach dem Senior zu benennen, auf Grundlage des selben Rufnamens. So wird der Junior von einem „Hein“ beispielsweise „Heinle“ oder „Heinlein“ genannt. Aus dem Italienischen sind uns die folgenden Diminutiv-Suffixe (Verkleinerungs-Suffixe) überliefert: Albert „-ello, -etto, -etti, -ino, -ini, -oni, -otti, -otto“.
  6. Durch unveränderte Zusammenstellung. Der Rufname des Vaters, wird dem Rufnamen des Sohn / der Tochter unverändert angehängt. Beispiel: Heinz Andre, Marie Theodor. Diese Variante der Bildung von Familienamen aus Rufnamen erinnert sehr stark an die auch heute noch gebräuchliche Verwendung von Doppel-Vornamen.

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